Keine Fotos ohne Licht – so banal lautet die Grundvoraussetzung, um überhaupt ein Bild aufnehmen zu können. Nun ist Licht nicht gleich Licht: Es gibt zum Beispiel schwaches, starkes, grelles, diffuses, kaltes oder warmes. In unseren sieben Tipps möchten wir Sie auf das spannende Thema „Licht“ einstimmen, damit Sie beim nächsten Foto sofort verstehen, wieso Motive unterschiedlich wirken!

Gleich unser zweiter Tipp ist genau genommen ein Regelbruch – denn die Regel besagt, man solle nicht gegen die Sonne fotografieren. Genau darin kann aber ein besonderer Reiz entstehen, wie im Übrigen auch unser sechster Tipp zeigt. Im Beispielbild links wurden die Sonnenstrahlen im Wald abgebildet. Dabei dienen die Blätter der Baumkrone dazu, das Licht zu streuen. Um die Strahlen noch deutlicher hervorzuheben, wurde die Blende der Kamera geschlossen (hier: f/13) – ein toller Sterneffekt! Da die kleine Blendenöffnung sehr wenig Licht auf den Sensor einfallen lässt, wird das gesamte Bild etwas unterbelichtet. Fotografieren Sie im RAW-Format und hellen Sie mit einem Programm wie z. B. Lightroom die dunklen Stellen wieder auf.

Warum funktioniert das Foto so gut?

1. Die Blätter des Baumes streuen die Strahlen. Wichtig ist der Kamerastandpunkt, den Sie durch Ausprobieren finden müssen. Ist die Luft leicht staubig, wirkt der Effekt noch besser.

2. Da sich die Kamera am hellsten Punkt orientiert, wird der vordere Bereich des Bildes zu dunkel. Hier muss nachträglich noch ein wenig aufgehellt werden.

Wo Licht ist, da gibt es auch Schatten. Sie bieten, sofern richtig angewendet, äußerst kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Spannend wird es vor allem dann, wenn ein Schatten zum Hauptmotiv wird. Unser Beispielbild zeigt ein im Prinzip unspektakuläres Szenario – wäre da nicht der auffällige Schattenwurf des Radfahrers. Durch die tief stehende Sonne wirkt der Schatten etwas überdimensional. Auffallend ist der erhöhte Kamerastandpunkt. Scheinbar wurde das Foto von einer Fußgängerbrücke aus aufgenommen. Es wirkt sehr ausgewogen, da der Blick des Betrachters von keinen weiteren Elementen abgelenkt wird. Die geometrischen Linien am Boden und die beinahe schwarzweiße Ästhetik passen hervorragend zum Foto.

Warum funktioniert das Foto so gut?

1. Als Lichtquelle dient hier die tief stehende Sonne. Sie sorgt für den markanten Schattenwurf des Radfahrers. Warten Sie daher auf den passenden Zeitpunkt.

2. Neben der Person gibt es keine störenden Elemente im Bild. Das Augenmerk liegt eindeutig auf dem Schatten, der auf der hellen und ebenen Fläche besonders gut zur Geltung kommt.

Manchmal sind die besten Tricks für gute Fotos die nächstliegendsten. Wer in einer Wohnung Menschen porträtieren möchte, kann dies zum Beispiel an einem Küchenfenster tun. Im Idealfall hängt davor eine halbtransparente Gardine, die das Tageslicht abschwächt. Genauer gesagt wirkt der Stoff wie ein Diffusor. Das hereinfallende Licht trifft durch dieses Hilfsmittel nicht direkt auf das Motiv, sondern wird verteilt und damit weicher.

In unserem Beispiel wird deutlich, wie angenehm eine solche Lichtstimmung wirkt. Es ist auch zu sehen, wo die Vorteile dieser Gardine liegen – starke Schatten sind im Gesicht der älteren Dame nämlich nicht zu sehen. Beachten Sie aber, dass durch die einseitige Belichtung beide Gesichtshälften nicht gleichermaßen ausgeleuchtet sind. Um auch die von uns aus linke Gesichtspartie aufzuhellen, benutzen Sie einen Fotoreflektor oder ein weißes Stück Pappe, in dem das Fensterlicht reflektiert wird.

Schon in der frühen Malerei diente der Schein einer Kerze als gern genutzte Lichtquelle. Auch in der Fotografie sorgen Kerzen für einen ganz besonderen Effekt. Allerdings ist es gar nicht so einfach, diese verhältnismäßig schwachen Lichtquellen zu fotografieren – oft erscheinen sie auf Fotos wie ausgebrannte Lichtflecken. Belichten Sie auf den Kerzenschein, wirkt die Umgebung zu dunkel und unterbelichtet. Daher sollte entweder das hellere Licht im Raum mit eingebunden werden, so wie das vorhandene Fensterlicht in unserem Bild rechts, oder es muss zusätzlich geblitzt werden. Wenn Sie nur mit vorhandenem Licht arbeiten, behalten Sie die Verschlusszeit im Auge. Diese darf nicht all zu lang sein, damit Sie scharfe Aufnahmen erzielen. Erhöhen Sie den ISO-Wert und öffnen Sie die Blende, um ihr entgegenzukommen. Die große Blendenöffnung (hier: f/2,8) sorgt auch für ein weiches Bokeh im Hintergrund. Die Kerzen werden hier als ästhetisches Hilfsmittel benutzt und geben die angenehme Lichtstimmung in diesem schönen Moment der Feier wieder.

Warum funktioniert das Foto so gut?

1. Blickfang: Die Kerze wurde bewusst in die Bildmitte gesetzt. Für die Belichtung des Fotos sorgt sie dennoch nicht.

2. Erhellt wird das Foto vom Restlicht des Tages, das in den Raum fällt. Die Kerzen dienen als ästhetisches Element.

Normalerweise versuchen wir Fotografen immer, das Motiv gleichmäßig ausgeleuchtet darzustellen und ärgern uns, wenn Stellen im Bild viel zu hell oder ungewollt dunkel erscheinen. Bei dem Lichteffekt der Silhouette wird dieses Prinzip praktisch über den Haufen geworfen. Hier soll das Hauptmotiv absichtlich so dunkel abgebildet werden, so dass nur Umrisse erkennbar sind. Wie in unserem zweiten Tipp ist für die Umsetzung einer solchen Aufnahme Gegenlicht nötig. Die Lichtquelle befindet sich also direkt oder seitlich hinter dem Hauptmotiv. Silhouetten entstehen, wenn nun die Belichtung an der Lichtquelle manuell ausgerichtet wird. Die Kamera geht davon aus, dass, wie in unserem Beispiel, das Fenster richtig belichtet werden soll. Die Einzelheiten im Gesicht der Frau verschwinden fast, da sie völlig unterbelichtet wird. Genau hier liegt der Reiz einer solchen Aufnahme. Silhouetten erzeugen Anonymität. Wir können nicht genau erkennen, was die Frau gerade macht, sondern ahnen nur, dass sie auf einer Schreibmaschine tippt. Auch ihr Gesichtsausdruck bleibt mehr oder weniger im Verborgenen. Silhouetten lassen sich auch perfekt draußen anfertigen. Probieren Sie den Effekt mit mehreren Menschen als Gruppenbild oder einfach als Stillleben.

Warum funktioniert das Foto so gut?

1. Eine Fensterfront dient in unserem Beispiel als Gegenlichtquelle. Die Belichtung wird darauf eingestellt. Die Frau im Vordergrund wird unterbelichtet.

2. Wäre die Belichtung auf die Frau ausgerichtet, würde diese zwar sichtbar, dafür wäre der Hintergrund vollkommen überstrahlt. Hier sollen aber nur die Umrisse der Dame sichtbar werden. Ein wirklich gelungener Effekt.

Es gibt einige Grundregeln im Umgang mit Licht: Wer beispielsweise in der grellen Mittagssonne fotografiert, wird schnell mit flauen Bildern „belohnt“. Es entstehen auch starke, störende Schatten, da die Sonne zu dieser Tageszeit besonders kräftig ist. In der Fotografie sind wir oft von der Sonne abhängig. Abends oder in den frühen Morgenstunden, wenn sie also noch nicht sehr hoch am Himmel steht und das Licht der Sonnenstrahlen flach über die Landschaft fällt, erzeugt sie eine malerische Stimmung. Warum ist das so? Die Lichttemperatur wird wärmer je später der Tag. Im Beispiel unten färbt dieses warm-gelbe Licht die komplette Landschaft ein. Gleichzeitig werfen die Hügel und die Bäume lange, markante Schatten. Dadurch wirkt die gesamte Szenerie zu dieser Tageszeit plastischer als beispielsweise während der Mittagssonne. Wichtig ist, dass Sie rechtzeitig am Ort des Geschehens sind. Manchmal geht es beim Abendlicht nur um Minuten, ehe es zu dunkel wird. Auch ein Stativ ist praktisch unabdingbar. Zumal damit das Motiv rechtzeitig eingestellt und die Komposition bestimmt werden kann. Im Bildbeispiel geht die Sonne von uns aus links unter und ist nicht im Bild zu sehen. Wir ahnen nur, wie schön ihre letzten Strahlen noch wärmen.

Warum funktioniert das Foto so gut?

1. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages beleuchten das Panorama. Sie sorgen für eine warme, weiche Lichtstimmung. Abendlicht wirkt bei Naturaufnahmen besonders harmonisch.

2. Auch der Schattenwurf ist am Abend ein wichtiges Gestaltungsmittel. Dadurch wirkt die Landschaft plastischer. Für gute Fotos sollte man sein Stativ rechtzeitig aufgestellt haben.

Kurz nach Sonnenuntergang färbt sich der Himmel in ein intensives Blau. Besonders im Kontrast zu den Stadtlichtern wirkt das malerisch.

Warum funktioniert das Foto so gut?

1. Zwischen Sonnenuntergang und dem Eintreten der nächtlichen Finsternis bekommt der Himmel eine Blaufärbung wie hier im Bild. Unser Auge nimmt das als angenehme Lichtstimmung wahr.

2. Im Kontrast dazu steht das gelbe bzw. orangene Licht der Häuser der Stadt. Dieser Farbunterschied wirkt besonders harmonisch, denn die warmen Farben gleichen das kühle Blau aus.

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