RAW-Softwares im Test | Wer seine Bilder optimal nachbearbeiten will, kommt um das RAW-Format und die passende Software nicht herum. Trotz immer besserer Kameratechnik für wirklich hervorragende Fotos führt an der „digitalen Dunkelkammer“ kein Weg vorbei. Wir zeigen Ihnen zehn aktuelle RAW-Editoren im Vergleich und präsentieren Pro und Kontra der jeweiligen Programme.

Aus einer RAW-Aufnahme lassen sich Bildinhalte gezielt herausarbeiten. Wer die besten Ergebnisse liefert, verraten wir im Test. (Bild: Smartmockups, Hersteller)

Das richtige Programm finden

Wir haben in unserem Test zehn RAW-Programme zusammengestellt. Auch wenn wir einen Testsieger gekürt haben, ist es wichtig zu wissen, dass es wie bei der Wahl der richtigen Kamera auch bei der Fotobearbeitung ganz darauf ankommt, welche Anforderungen Sie an die Software stellen und was diese leisten muss. Da alle Programme mindestens 7 Tage lang gratis getestet werden können, empfehlen wir dies auch zu nutzen. Sie werden schon nach kurzer Zeit Ihren persönlichen Favoriten finden. Klar ist – eine RAW-Software ersetzt eine weiterführende Bildbearbeitung nicht. Mit keiner Software im Test können Sie beispielsweise größere Fotomontagen durchführen oder Bilder freistellen. RAW-Software ist und bleibt daher ein solides Handwerkszeug zur Optimierung Ihrer Bilder.

Die Fotonachbearbeitung ist für Einsteiger wie Profis essenziell. Wir haben in diesem Vergleich zehn aktuelle RAW-Editoren miteinander verglichen und stellen Ihnen die jeweiligen Vor- und Nachteile vor. Warum es Sinn macht, Bilder in RAW zu fotografieren und im Anschluss den Umweg über eine RAW-Bearbeitung zu gehen, liegt auf der Hand: Das kameraspezifische Dateiformat speichert deutlich mehr Informationen als ein JPEG-Bild. Denn beim JPEG hat die Kamera selbst schon eine Menge Bearbeitungen vorgenommen, zudem fehlen Farb- und Bildinformationen. Grundsätzlich kann jedes der getesteten Programme trotzdem mit JPEG- oder TIFF-Bildern umgehen, mit Einschränkungen in den Korrekturmöglichkeiten.

Die Oberfläche der plattformübergreifenden Version von Lightroom ist intuitiv und aufgeräumt. (Bild: Jörg Rieger, Hersteller)

Lightroom Classic ohne Online-Zwang gibt es weiterhin, allerdings nur mit alter Benutzeroberfläche im Rahmen des Foto-Abos. Darin enthalten sind für ebenfalls 12 € im Monat beide Lightroom-Versionen inklusive Photoshop, aber nur magere 20 Gigabyte Cloud-Speicher.

Adobe Photoshop Lightroom

Photoshop Lightroom ist die plattformübergreifende RAW-Fotobearbeitung von Adobe. Hier läuft alles über die Cloud, die Bibliothek Ihrer Fotos liegt online. Das hat den Vorteil, dass Sie damit auch mit Smartphone oder Tablet auf den gleichen Bildbestand zugreifen können. Die Benutzeroberfläche ist modern und durchdacht, wenngleich gerade die Fotoverwaltung viel von der alten Desktopvariante vermissen lässt. Ausgeklügelt sind die Freigabemodi, um Bilder mit anderen zu teilen oder zu präsentieren. Gewohnt souverän präsentiert sich die Fotokorrektur, hier leistet sich Lightroom keine Schwächen. Wie alle Adobe-Produkte gibt es auch diese Software nur im Monatsabo, immerhin mit üppigem 1 TB Cloud-Speicher.

Pro & Kontra

+ Benutzeroberfläche
+ Korrekturwerkzeuge
+ Programmgeschwindigkeit
+ 1 TB Online-Speicher
+ App-übergreifendes Arbeiten
– Nur im Abo verfügbar
– Abgespeckte Fotoverwaltung
– Rudimentäre Vorher-Nachher-Ansicht

Hersteller: Adobe
Webseite: www.adobe.de
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 11,89 € / Monat 

Testergebnis: SUPER

Affinity Photo

Serif versucht, mit seinen Affinity-Apps und Kampfpreisen Bewegung in den Markt zu bringen. Grund genug, Affinity Photo mit in den Vergleich aufzunehmen. RAW-Fotos werden automatisch im passenden Editor geladen, Objektivkorrekturen direkt übertragen. Für die klassische Korrektur per Schieberegler stehen gewohnte Werkzeuge parat, allerdings ist der Funktionsumfang überschaubar. Erstaunlicherweise finden sich viele „vermisste“ Werkzeuge im Fotoeditor im Filtermenü, beispielsweise „Dunst entfernen“ oder HDR. Schade, dass man hier nicht konsequent die Prozesse zusammenfasst, die eigentlich zusammengehören. Gut gelöst hingegen sind die partiellen Korrekturen, die übersichtlich in einer Ebenenverwaltung abgelegt werden. Insgesamt bietet Affinity Photo ein rundes Komplettpaket.

Pro & Kontra

+ Programmgeschwindigkeit
+ Retuschewerkzeuge
+ Preis
+ Umfangreicher Fotoeditor
– Keine Fotoverwaltung
– Keine RAW-Stapelverarbeitung
– Werkzeugaufteilung in Raw-Editor und Fotobearbeitung

Hersteller: Serif
Webseite: www.affinity.serif.com/de
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 54 €

Testergebnis: GUT

Alienskin Exposure X4

Alienskin ist eigentlich für Plug-ins in Photoshop bekannt. Und so verwundert es nicht, dass auch die RAW-Bearbeitung mit einer Vielzahl von Effekten ausgestattet wurde. Ganz klassisch gibt sich die Fotoverwaltung als Ausgangsbasis, bietet aber nur Standardkost. Spannend wird es in der Bearbeitung. Klassisch über Schieberegler werden die grundlegenden Korrekturen eingestellt, die Ergebnisse überzeugen. Selbst eine Objektivkorrektur auf Basis der Kameradaten ist vorhanden. Ein Bokeh-Weichzeichner sorgt in zahlreichen Varianten für softe Hintergründe und stellt auch den Übergang in den Effektbereich dar. Unzählige Texturen, Filmeffekte, Ränder und Lichteffekte stehen zur Auswahl – eine wahre Fundgrube für Kreative.

Pro & Kontra

+ Einfache Bedienung 
+ Fotoimport
+ Kreativfunktionen
+ Bokeh-Effekt
+ Snap Art zur Gemäldeumwandlung
– Simple Fotoverwaltung
– Effekt-Vorschau langsam
– Bildmaskierung nicht optimal

Hersteller: Alienskin
Webseite: www.alienskin.com
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 119 US-Dollar

Testergebnis: SEHR GUT

Darktable

Positiv überrascht hat uns die Opensource-Software Darktable. Sie ist für verschiedenste Betriebssysteme kostenlos verfügbar und erhielt vor Kurzem ein großes Update. Gestartet wird im Leuchttisch, dem Fotobrowser. Die Sortier- und Auswahlmöglichkeiten sind durchdacht, sogar ein simples HDR-Modul ist integriert. Hier erfolgt auch der Übertrag von Korrekturen oder der Bildexport. In der Dunkelkammer, dem eigentlichen Editor, stehen umfangreiche Korrekturwerkzeuge parat, die in ihrer Detailverliebtheit auf Wunsch auch kleinste Justierungen ermöglichen. Schade, dass auch die Bedienelemente sehr klein ausgefallen sind. Praktisch: Jede Korrektur kann per Bildmaske auf Teilbereiche übertragen werden. Wird die Korrektur erneut benötigt, wird sie einfach dupliziert. Insgesamt überzeugend.

Pro & Kontra

+ Schneller Fotobrowser
+ Detailkorrekturen
+ Komplett gratis
+ HDR-Modul
+ Für viele Betriebssysteme verfügbar
– Bedienelemente zu klein
– Import-Zwang
– Komplizerte Bedienung

Hersteller: Darktable
Webseite: www.darktable.org
Systemanforderung: Windows / macOS / Linux
Preis (UVP): GRATIS

Testergebnis: GUT

DxO PhotoLab

DxO PhotoLab, deren frühere Versionen DxO Optics Pro hießen, sieht seine Spezialität in der automatischen, kamera- und objektivbasierten Korrektur. Schon beim Öffnen werden diese Faktoren berücksichtigt und das Bild korrigiert. Auch ansonsten setzt man auf ein etwas anderes Bedienkonzept. Mit Smart Lighting, ClearView und der Rauschminderung Prime stehen effektive Optimierungstools bereit. Besonders die Rauschminderung kann selbst bei hohen ISO-Werten voll überzeugen. Die letzteren Tools bleiben allerdings der teureren Elite-Version vorbehalten. Gut gelungen ist die selektive Korrektur direkt im Bild – sie funktioniert auch ohne aufwändige Maskierung und wurde in Sachen Funktionalität der Nik Collection entnommen. In Summe: sehr gut!

Pro & Kontra

+ Objektiv- und Kamerakorrektur
+ Performance
+ Selektive Korrekturen 
– Dateichaos in jedem Verzeichnis
– Praktische Werkzeuge nur in Elite-Version 
– Aufpreis für Elite-Version
– Kein Support von Fujifilm-Kameras

Hersteller: DxO
Webseite: www.dxo.com
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 129 € (Essentials), 199 € (Eiite)

Testergebnis: SEHR GUT

On1 Photo RAW

Die Plug-in-Schmide On1 schickt mit Photo-RAW 2019.5 ein echtes Multitalent ins Rennen. Die Software überzeugt mit einem guten Fotobrowser, der auch direkten Zugriff auf Panorama- oder HDR-Erstellung ermöglicht. In der RAW-Bearbeitung setzt man auf bekannte Werkzeuge, die gute Ergebnisse liefern; wirkliche Innovationen findet man hier aber nicht. Richtig gut gelungen ist das Retuschewerkzeug zur Entfernung von Sensorflecken oder anderen Störelementen. Für Kreative ideal: Es stehen fast 30 Effektfilter zur Nachbearbeitung bereit. Die Exportfunktion bietet extrem viele Funktionen, selbst eine automatische Randspiegelung für Leinwanddrucke ist dabei. Minuspunkt: Die Software ist nur in englischer Sprache verfügbar, und das verkompliziert das Arbeiten damit unnötig.

Pro & Kontra

+ Retuschefunktion
+ Separate Gesichtskorrektur
+ Viele Kreativfilter
+ HDR-Editor
– Nur in englischer Sprache 
– RAW-Korrektur nur Standard 
– Schnelle Performance bei Fotoverwaltung

Hersteller: On1
Webseite: www.on1.com
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 80 US-Dollar

Testergebnis: SEHR GUT

Phaseone Capture One Pro 12

Capture One hat seit jeher den Anspruch, eher für Profi anzusprechen, und bietet als einziger Anbieter eine professionelle Kamerasteuerung. Sprich, sofern Ihre Kamera unterstützt wird, wird Ihr Desktopbildschirm zur Live-Vorschau und alle Bilder werden direkt auf den Computer gespeichert. Das ist besonders bei Shootings im Studio eine echte Hilfe. Nach der Aufnahme ist vor dem Workflow – hier bietet Capture One Profitools, um Bilder nach der Aufnahme sehr schnell zu sortieren oder gar automatisch zu bearbeiten. Die Fotobearbeitung lässt keine Wünsche offen und bietet Korrekturmöglichkeiten bis ins letzte Detail, HDR-Tool inklusive. Der Fotoexport erfolgt im Rahmen des Workflows auf Wunsch vollautomatisch im Stapel.

Pro & Kontra

+ Korrekturfunktionen
+ Tethered Shooting
+ Umfassende Workflow-Lösung
+ Leistungsstarke Profitools
+ Pseudo-HDR-Funktion
– Vorher-Nachher-Ansicht
– Komplexe Bedienung
– Sehr teuer

Hersteller: Phase One
Webseite: www.captureone.com
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 349 € / 24 € (Abo)

Testergebnis: EMPFEHLUNG

Rawtherapee

Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul – ein Blick in das kostenlose Rawtherapee offenbart allerdings einen prall gefüllten RAW-Editor mit den umfangreichsten Korrekturwerkzeugen im gesamten Vergleichstest. Rund 40 Paletten mit unzähligen Unterfunktionen stehen bereit. Klar ist: Trotz Automatik-Button benötigt man tieferes Fachwissen und einen gewissen „Bastlerdrang“, um zum perfekten Bild zu kommen. Die Einarbeitungszeit ist dementsprechend hoch und nicht immer frustfrei. Vieles, was andere Hersteller in einem Schieberegler zusammenfassen, kann man in Rawtherapee individuell justieren. Ebenfalls individuell: Aus der Vielzahl an Funktionen ist es möglich, eigene Sets mit den Lieblingswerkzeugen anzulegen und diese nicht in den riesigen Paletten finden zu müssen.

Pro & Kontra

+ Umfangreiche Korrekturfunktionen 
+ Steuerung von Lichtern und Schatten 
+ Ausschnitteditor
+ RAW-Format-Unterstützung
+ Dateiverwaltung
– Vorher-Nachher-Ansicht
– Performance
– Viel zu komplexe Bedienung 

Hersteller: Rawtherapee
Webseite: www.rawtherapee.com
Systemanforderung: Windows / macOS / Linux
Preis (UVP): GRATIS

Testergebnis: GUT

Sylkipix Developer Studio 9 Pro

Silkypix ist eines der ersten RAW-Programme überhaupt. In Version 9 präsentiert sich die Software mit der gewohnten Benutzeroberfläche und leider nicht immer selbsterklärenden Symbolen und Bedienelementen. Hier ist Einarbeitungszeit notwendig, vor allem unterscheidet sich auch der Arbeitsablauf von anderen Programmen. Die Mühe wird mit wirklich guten Resultaten belohnt, und besonders für Detailkorrekturen in der Farbe hält Silkypix jede Menge Werkzeuge parat. Etwas exotisch, aber praktisch, ist die Korrektur für Unterwasseraufnahmen – hier stellt man lediglich Wassertiefe und Färbung ein, den Rest erledigt die Software. Eine etwas intuitiver zu bedienende Vergleichsansicht von Originalbild und Korrektur wäre dennoch wünschenswert.

Pro & Kontra

+ Sehr schneller Fotobrowser
+ Autokorrektur
+ Unterwasserkorrektur
+ Gesamtkonzept
– Eigenwilliger Workflow 
– Vergleichsweise langsamer Bildaufbau 
– Einarbeitungszeit notwendig
– Vergleichsansicht

Hersteller: Silkypix & Franzis
Webseite: www.silkypix.de
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 219 €

Testergebnis: SEHR GUT

Skylum Luminar

Seit wenigen Monaten hat Luminar eine Fotoverwaltung integriert. Allerdings besteht nach wie vor die Möglichkeit, Bilder einzeln, ohne Import zu bearbeiten. Der Funktionsumfang der Bildersammlung ist überschaubar, aber für den Alltag ausreichend. In der Bearbeitung stellt Luminar verschiedene Arbeitsbereiche mit ausgewählten Korrekturfiltern zur Auswahl, Sie können Ihre eigene Zusammenstellung zusätzlich abspeichern. Man setzt hier auf viele intelligente Korrekturen, wie beispielsweise den Sky Enhancer, der Himmel automatisch erkennt und anpasst. Der Accent-AI-2-Filter korrigiert das Bild insgesamt nach Analyse mit nur einem Regler. Für Fortgeschrittene stehen alle RAW-Korrekturwerkzeuge und viele mehr bereit. Es gefällt, dass Luminar hier nicht mit Fachbegriffen, sondern mit konkreten Lösungen arbeitet.

Pro & Kontra

+ Benutzeroberfläche
+ RAW-Korrektur
+ AI-Sky-Enhancer
+ Bereichskorrekturen
+ Kreativfilter
– Exportfunktionen etwas mager
– Fotobrowser ausbaufähig
– Vorher-Nachher-Ansicht unflexibel

Hersteller: Skylum
Webseite: www.skylum.de
Systemanforderung: Windows / macOS
Preis (UVP): 70 €

Testergebnis: SUPER

Viele Wege zum perfekten Bild?

Eines sei vorneweg verraten: Mit allen hier vorgestellten Programmen erhalten Sie durchweg gute Bildergebnisse. Die Unterschiede liegen jeweils im Detail. DxO Photo Lab bietet beispielsweise eine exzellente Entrauschen-Funktion, Lightroom liefert ein App-übergreifendes Online-Konzept und Alienskin Exposure überrascht mit einem umfangreichen Kreativpaket. Die Wege zum fertigen Top-Motiv sind natürlich in jedem Programm etwas anders, hier kommt es auf die persönlichen Vorlieben an.

Da RAWs die Kamera-Rohdaten speichern, bieten sie maximalen Spielraum bei der Nachbearbeitung von Farben, Kontrasten und Helligkeit. Aus aus unterbelichteten Motiven holen Sie so das Maximum heraus.
Da RAWs die Kamera-Rohdaten speichern, bieten sie maximalen Spielraum bei der Nachbearbeitung von Farben, Kontrasten und Helligkeit. Aus aus unterbelichteten Motiven holen Sie so das Maximum heraus. 

RAW: Volle Pixelnutzung

Dank RAW-Software bieten sich in der Fotonachbearbeitung ungeahnte Möglichkeiten. Wird z. B. der Himmel als weiße Fläche abgebildet, zaubert eine entsprechende RAW-Korrektur wieder Farben ins Bild. Auch ursprünglich zu dunkle Bereiche erhalten plötzlich wieder Zeichnung und Struktur. Im Gegensatz zum JPEG-Format hat man mit RAW deutlich mehr Optimierungsspielraum, da in diesem Datenformat keine Komprimierung durchgeführt wird und auch das Bild selbst weitestgehend unangetastet bleibt. Wir haben uns verschiedene RAW-Softwares genauer angesehen – im Test setzen alle Programme auf ein ähnliches Bedienkonzept: Die Korrektur erfolgt immer durch zahlreiche Schieberegler. Wirkliche Ausreißer leistet sich kaum eine Software im Test, allerdings sind die Wege zum perfekten Bild doch ausgesprochen unterschiedlich. Gewohnt souverän liefern die zwei Adobe-Produkte sowie Capture One Pro optimale Bildergebnisse. Doch auch Newcomer wie Luminar oder Photo RAW 2018 spielen in Sachen Bildkorrektur ganz vorne mit.

Alles Lightroom?

Wer kopiert hier eigentlich von wem? Der Klick durch die einzelnen RAW-Programme gestaltet sich ziemlich unspektakulär – der Aufbau ist fast überall identisch, bis hin zur Beschriftung der Schieberegler. Man kopiert sich gegenseitig. So hat etwa Lightroom vor zwei Jahren einen Klarheit-Regler eingeführt, heute findet sich dieser plötzlich auch beim Mitbewerber. Einen Vorteil hat es: Kennt man eine Software, kennt man alle. Einen erfrischend anderen Weg geht Silkypix – hier wird seit vielen Jahren der eigene Korrekturablauf konsequent durchgezogen, der im Endeffekt ebenfalls zu guten Ergebnissen führt. Auch Capture One, Rawtherapee und Darktable scheren aus dem „Schiebereglereinheitsbrei“ aus. Insgesamt fällt, sollte man von anderer Software umsteigen, der Einstieg dann allerdings etwas schwerer.

Unterschiede im Detail

Bei genauerem Hinsehen hat fast jede RAW-Software seine besondere Spezialität an Bord. In den Detailkorrekturen bietet DxO mit der Prime-Rauschreduzierung ein Werkzeug, um selbst aus ISO-Werten jenseits der 16.000 noch brauchbare Bilder zu erhalten. Bei Luminar kann gleich mit drei verschiedenen Werkzeugen nachgeschärft werden. Als einziges Programm im Test bietet Capture One die Möglichkeit, direkt von der Kamera in die Software zu fotografieren. Das ist bei Shootings praktisch, zudem wird der Bildschirm damit zum übergroßen Live-View. Lightroom CC bietet dank passender Mobil-App eine nahtlose Anbindung an iPad und iPhone nicht nur für mobile Fotografen. 

Alle Bilder gut verwaltet

Neben der Bildkorrektur bieten viele Anwendungen im Test auch eine Fotoverwaltung an. Gerade bei großen Bilddatenbeständen ist dies unabdingbar und sorgt für mehr Überblick. Lightroom Classic hat hier die umfangreichste Katalogfunktion am Start. Doch auch Capture One, PhotoLab, Luminar oder Photo RAW bieten hier gute Funktionalität. Komplett auf einen Fotobrowser muss man lediglich bei Affinity verzichten.Und was ist mit Camera RAW?

Viele Bildbearbeitungsprogramme können Dateien im RAW-Format öffnen und haben hierzu einen kleineren RAW-Editor integriert. Als Klassiker zu nennen sind hier beispielsweise Photoshop und Photoshop Elements, die mit Camera RAW eine abgespeckte Version von Lightroom Classic auf Basis derselben Konverter-Engine mit an Bord haben. Grundsätzlich kann man auch mit diesem Modul eine Vielzahl an Korrekturen durchführen, allerdings längst nicht so komfortabel wie mit der großen Schwester-Software, die beispielsweise das Übertragen von Korrekturen per Klick ermöglicht oder ausgefeilte Stapelverarbeitungen mit integriert hat. Für gelegentliche RAW-Korrekturen ist Camera RAW, wenn man Photoshop schon besitzt, aber ausreichend. Für größere Bildmengen sollten Sie sich jedoch lieber einen unserer zehn Testkandidaten genauer anschauen.

Gratis-Tools und Testsieger

Mit Rawtherapee und Darktable sind gleich zwei Gratisprogramme im Test vertreten. Und beide Kandidaten liefern überraschend gute Korrekturergebnisse und stehen im Funktionsumfang den kostenpflichtigen Progammen in nichts nach. Wäre die Benutzerführung mehr auf den Normalanwender ausgerichtet, hätten sowohl Darktable als auch Rawtherapee eine bessere Bewertung erhalten. Hier steckt noch jede Menge Potenzial. Insgesamt gab sich im Test keines der RAW-Programme eine Blöße, und so können sämtliche Kandidaten mindestens unser Testlogo „GUT“ einfahren. Als Anwender kommt man nicht umhin, sich zwei bis drei Favoriten herauszusuchen und diese selbst auszuprobieren. Dank kostenfreien Testversionen ist das bei allen hier vorgestellten Programmen problemlos möglich. Bei uns geht Skylum Luminar hauchdünn als Testsieger hervor. Ausschlaggebend waren dabei vor allem die vielen intelligenten Korrekturen. Dicht dahinter: der Allrounder Adobe Lightroom.

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